Wie alles begann...
Welcher Mann hat nicht schon mal davon geträumt, Britney Spears, Pink oder Madonna an die Wäsche zu gehen? Für Hans-Jürgen Topf ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Der passionierte Musikfan betreibt in Ludwigshafen die "Rock´n´Roll Laundry". Und wie in so vielen Fällen hat auch hier der Zufall das Schicksal mitbestimmt.
Alles begann im Sommer 1982 an einer Ludwigshafener Kreuzung: Hans-Jürgen Topf hilft in der elterlichen Wäscherei als Kurier aus, steht an einer roten Ampel, als neben ihm der Tourneebus von Ted Nugent hält. Im Gespräch mit dem Busfahrer stellt sich heraus, dass sich der Tross verfahren hat. Der ortskundige Topf zeigt sich hilfsbereit und eskortiert die Crew zur gewünschten Halle. Als Dank erhält er Freikarten für das abendliche Konzert.
Dafür revanchiert sich Topf und wäscht im Schnellverfahren die persönliche Wäsche des Tourmanagers. Wenige Stunden später gibt er ihm die Sachen sauber zurück. Topf witterte eine Geschäftsidee und ließ sich beim Patentamt das Konzept unter dem Namen "Rock´n´Roll Laundry" schützen. "Das fing ganz banal an, in einem Kalender trug ich sämtliche Konzerttermine von Rock- und Popstars ein, die in meiner Nähe spielten", erzählt der inzwischen 52-jährige Familienvater. Fortan stellte sich Topf regelmäßig vor die Eberthalle in Ludwigshafen und wartete auf die Tourneebusse und erkundigte sich, ob sie einen Waschdienst benötigen.
In der Veranstaltungsbranche sprach sich die zuverlässige Arbeit des Wäschefetischisten schnell herum. "Im ersten Jahr wusch ich gegen Freikarten, irgendwann musste ich jedoch Geld verlangen, um keinen Verlust zu machen", blickt Mr. Saubermann zurück. An diesen Zeitpunkt kann er sich noch gut erinnern. "Ich bekam eines nachts um drei Uhr einen Anruf vom Motörhead-Manager aus Japan, der von meiner Wäscherei gehört hatte und mir anbot, für Lemmys Combo die Textilien zu reinigen." Dieser Wäscheberg sei so umfangreich gewesen, dass Topf, dessen Spitzname in der Szene "Töpfchen" ist, ein Gehalt dafür erhielt.
Mittlerweile ist Hans-Jürgen Topf bei unzähligen Acts auf Tuchfühlung gegangen: Peter Gabriel, Robbie Williams, Johnny Winter, Herbert Grönemeyer, Paul McCartney, verschiedene Mitglieder von Pink Floyd, Metallica, AC/DC, Eric Clapton, die Scorpions - ihnen allen verhalf er bereits zur blütenweißen Weste. Ganz nach der Firmendevise "We keep the stars clean". Auf der aktuellen DVD von den Fantastischen Vier ist Topf im Kapitel "Hinter den Kulissen" zu sehen.
Die Begegnungen mit den Musikern dokumentiert Topf im Treppenaufgang seines Hauses. "Nicht wenige wollen wissen, welche Unterwäsche zum Beispiel Britney Spears trägt. Ich weiß es, was sie drunter hat, ich verrat´s aber nicht", schmunzelt Topf verschmitzt. Vor jedem Waschgang kontrolliert er penibel alle Taschen. Einmal habe er 6000 Mark in einer Hose gefunden. "Gelegentlich förderte ich ganz andere Sachen aus den Hosentaschen zu Tage, darauf gehe ich aber besser nicht genauer ein."
Mit seiner auf drei Lieferwagen rollenden Wäscherei ist er viel auf Open Airs unterwegs. Jede Branche brauche einen Paradiesvogel. Irgendwann werden seine beiden Söhne Achim (22) und Steffen (20) die "Rock´n´Roll Laundry" übernehmen, auch sie sind mit dem popmusikalischen Textilfetisch infiziert. "Meine Söhne sind damit groß geworden, bei Rock am Ring wurden sie als Kleinkinder von den Bühnenarbeitern mit dem Gabelstapler herumgefahren, damit sie sich nicht langweilten."
(c) Christian Hoffmann



